Schlagwort-Archiv: Gewalt in der Familie

2. internationale eupax Tagung 2018 – save the date –

04. -06.05.2018 in Ludwigshafen

Papst findet das Schlagen von Kindern okay

Ein kleiner Klaps hat noch niemandem geschadet! Wer kennt nicht diese weitläufig verbreitete Meinung, wenn es darum geht, das eigene Erziehungsverhalten zu rechtfertigen. Es gibt viele Diskussionen über die möglichen Folgen dieser Schläge. Unstrittig ist jedoch, dass sie Auswirkungen haben.

Jeder Schlag, den ein Kind aushalten muss, ist ein Schlag zuviel!
Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Nicht nur, weil ich in meiner eigenen Kindheit diese Erfahrung und ihre nachhaltigen Auswirkungen zu spüren bekam. Immer wieder sitzen Klienten in meiner Beratung, die gewalttätig gegen Menschen in ihrer Familie geworden sind und erzählen von den eigenen Kindheitserfahrungen, die nicht selten durch Schläge, regelmäßiges Anschreien, Schubsen, hartes und schmerzhaftes Zupacken gekennzeichnet war. Gewalt hat in der Erziehung nichts zu suchen, ist kontraproduktiv und ist letztlich ausschließlich Ausdruck für die eigene Hilflosigkeit, die Überforderung, die Ratlosigkeit oder für Stress, der mit der aktuellen Situation eigentlich nichts zu tun hat, von der Arbeit oder anderen Schauplätzen mit nach Haus mitgebracht wurde.

Das Kind ist das schwächste Glied einer Familie und kann sich nicht wehren. Es leidet still, wird ängstlich, zieht sich zurück, verliert das Vertrauen zu den Eltern oder der jeweiligen Erziehungsperson und nimmt diese Erfahrungen mit in sein späteres Leben. Es ist also im Interesse aller, wenn sich Eltern Hilfe und Rat holen.

Dazu gibt es vor Ort genügend Beratungsstellen.

Oder die e u l i n e – H o t l i n e gegen Gewalt 01805 439258, auch im Web www.euline .eu.

“ Häusliche Gewalt in Familien gibt es viel häufiger, als man glauben möchte. Und auch hier sind die Gründe an den unterschiedlichsten Baustellen zu suchen. Die größten Schwierigkeiten haben Familien, die nicht bereit sind, das Problem zu akzeptieren und der Meinung sind, sie müssten es alleine lösen. Natürlich gibt niemand gern zu, dass er überfordert ist und die Erziehung womöglich regelmäßig mit physischer oder psychischer Gewalt verbunden ist. Doch dieses Zugeben ist unumgänglich, wenn man etwas an der Situation ändern möchte. Denn so zwiespältig das auch klingen mag, viele Betroffene sind sich darüber bewusst, was für schlimme Schäden sie bei ihren Kindern anrichten. Aber sie trauen sich nicht, fremde Hilfe anzunehmen. Dieses Nicht-einsehen-wollen hat für die Kinder traumatische Konsequenzen, die womöglich unheilbare Folgen haben. Auch der eine kleine Klaps schadet dem Kind. Und jeder, der dazukommt, noch viel mehr.“
Weiteres im u.a. Artikel auf der Webseite von vaterfreuden.de

Wolfgang Brandt

eupax Beratungsstelle Hildesheim

Europäische Studie zur Gewalt gegen Frauen – ‚Jede dritte Frau ist Opfer von Gewalt‘

Studie zur Gewalt gegen Frauen.

Wie die Europäische Agentur für Grundrechte (FRA) mitteilt, geben ein Drittel der Frauen zwischen 15 und 74 Jahren in der Europäischen Union an, „körperliche und/oder sexuelle Gewalt“ erfahren zu haben. Die Umfrage richtete sich an 42000 Frauen, die nach dem Zufallsprinzip ausgesucht wurden.

Laut diesem Bericht liegt Deutschland mit 35 Prozent knapp über dem EU-Durchschnitt (33 Prozent). Im Vergleich dazu fällt der Anteil der Gewaltopfer in Dänemark (52 %), in Finnland (47 %) und in Schweden (46 %) auf. Europaweit geben 22 Prozent der Befragten an, körperliche oder sexuelle Gewalt durch den eigenen Partner erlitten zu haben.

Erschreckende Zahlen! Jedoch nicht neu: Vor etwa 10 Jahren gab die Bundesregierung eine Studie in Auftrag, nach der jede 4. Frau Opfer von Gewalt wurde. Vergleicht man diese Zahlen, dann scheint sich die Zahl der gewalttätigen Übergriffe erhöht zu haben. Wie dem auch sei, entscheidend ist die Frage, was diesen Studien folgt. Wie konkretisieren sich die Ergebnisse nicht nur in den politischen Zielsetzungen, sondern auch in den Maßnahmen zum Schutz der Opfer. Hierzu zählt in entscheidendem Maße die Arbeit mit den Menschen, die gewalttätig sind. Die letzte Studie macht ja ziemlich deutlich, dass es eine große schweigende Mehrheit gibt: nur 22 Prozent der Opfer haben medizinische Hilfe in Anspruch genommen, nur 15 Prozent gingen zur Polizei! Das heißt, dass die meisten gewalttätigen Übergriffe im sogenannten Dunkelfeld stattfinden, nur ein Bruchteil gelangt ans Licht und lässt sich sanktionieren oder auf eine andere Art und Weise beeinflussen oder verhindern. 

Von Seiten des Staates finanziell unterstützte Beratungs- und Interventionsangebote richten sich fast ausschließlich an die Täter aus dem Hellfeld, also an die Menschen, die Kontakt mit Polizei und Justizbehörden hatten und nach oder statt einer Bestrafung eine gerichtliche Auflage zur Gewaltberatung bekommen haben. Die Ergebnisse der Studie machen eindringlich deutlich, dass auch eine stärkere Fokussierung auf die nicht bekannten Täter notwendig ist, wenn wir als Gesellschaft diesem Phänomen der ausufernden Gewalt ein klares und wirksames Zeichen entgegensetzen wollen.

Aus unserer jahrelangen Arbeit wissen wir, dass es unterstützende, niedrigschwellige Angebote für Täter und potenzielle Täter geben muss, so wie unsere Täterhotline euline, die den Kontakt zu genau diesen Menschen ermöglichen. Ist ein derartiger Kontakt über eine Hotline oder ein vergleichbares Angebot erst einmal hergestellt, gelingt es nach unserer Erfahrung in fast allen Fällen, dass eine professionelle Beratung und weitere unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden können, bevor es zu weiteren Übergriffen, zu weiterer Gewalt kommt. Präventive Täterarbeit als Opferschutz!

Wolfgang Brandt

Phaemopraxis Hildesheim

Eupax Regionale Gewaltberatung Hildesheim

Gewalt in der Pflege

Eine Präsentation zum Thema von Prof. Dr. Thomas Görgen Deutsche Hochschule der Polizei (Münster) – Gewalt in der Pflege – hat zu einer regen Diskussion im Forum geführt. Da wir die Informationen und Positionen dazu auch einem größeren Interessentenkreis zur Kenntnis geben möchten, sind sie nun auch hier auf den Seiten der eupax News veröffentlicht und wir würden uns freuen, wenn dies dazu anregt, sich in die Diskussion einzubringen. Gefragt sind u.a. auch weitere Informationen und eigene Erlebnisse bzw. Erfahrungen mit Betroffenen sowie eigene Statements zum Thema.

Jerry schrieb dazu:

Ich komme ja ursprünglich aus der Pflege und etliche hier beschriebene Gewaltformen habe ich selbst gesehen und erlebt. Ich habe den PDF- Anhang mal schnell überflogen und finde, dass er das Problem der Gewalt in der Pflege ziemlich einseitig darstellt, nämlich aus einer kriminellen Sichtweise. Mir scheint diese Perspektive ziemlich klar zu sein. Da will sich jemand am Gut eines anderen bereichern. Der/die gehört bestraft und fertig.
Mich interessiert ein anderer Aspekt dieses Problems. Pflegekräfte, sei es Professionelle oder im häuslichen Bereich, sind einem extremen Druck ausgesetzt. Früher, in meiner Ausbildungszeit, war das nicht anders und heute ist es noch extremer geworden. Permanenter Personalmangel, mangelnde Finanzierungen, Ausfälle durch Krankmeldungen, überbelegte Stationen, vernachlässigte Weiterbildungen, Sicherheitsprobleme und persönliche Probleme lasten bis heute auf den Schultern der Pflegekräfte. Und die Gesellschaft schaut zu! Wir schauen zu.

Ich sehe hier einen enormen Bedarf an Hilfe und Unterstützung und mit unserem Ansatz sind wir genau richtig.
Wir können diese Leute begleiten und befähigen, in erster Linie für sich selbst zu sorgen und dann erst für andere da zu sein.

PS: Seit einigen Jahren wird der Personalschlüssel einer Einrichtung(Krankenhaus; Pflegedienst und ähnliches) nach Zeitaufwand am Patienten berechnet. Einige kluge Köpfe haben ein System aus der Industrie und Wirtschaft umgemodelt um Krankenhäuser wie Fabriken und/oder Firmen funktionieren zu lassen. Und wir machen alle mit!

Phaemopraxis Letzebuerg

Phaemopraxis Hildesheim

 

Ein männlicher Praktikant im Frauenhaus vermittelt anderes Männerbild

 

Mann kann auch anders  (Artikel in der WAZ vom 21.12.12)

Ein mutiger Versuch, der sich als ein Erfolg herausstellte. Frauenhaus-Leiterin Anne Meiworm: „Wir sind nicht auf einer Insel. Die Frauen sollen Normalität leben und lernen, Aufgaben zu bewältigen.“
Neben dem körperlichen und auch seelischen Schutz der Frauen und Kinder ist dies sicherlich auch ein wichtiger Aspekt: Sie wieder auf den Alltag vorzubereiten und ihnen zu zeigen, dass es weitaus mehr Männer gibt, die  vertrauensvolle, liebevolle, auf gegenseitigem Respekt beruhende Beziehungen zu ihren Mitmenschen pflegen als Schläger. Für die Kinder in dieser Umgebung ist das hinsichtlich ihrer zukünftigen Beziehungsgestaltung von immenser Bedeutung.

Wir gratulieren der Leiterin und den anderen Verantwortlichen für diesen mutigen Schritt!

 
W. Brandt
Gewaltberatung Hildesheim

 

 

Wiege der Gewaltberatung

Schneller Schlag

Artikel im Spiegel von 1986 über den Ursprung unseres Arbeitsansatzes.

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