Tag: Gewaltprävention

10 Jahre Streetlife / 10 Jahre euline – Erfolgreiches eupax-Treffen in Wolfsburg

Das Herbsttreffen der eupax_euline fand diesmal in einem außergewöhnlichen Rahmen statt. Zunächst waren die TN unseres Treffens Gäste bei der Jubiläumsfeier von  `Streetlife`, einem Vorzeige`projekt` zur Kriminalprävention der Stadt Wolfsburg, das schon lange durch seine belegbaren Erfolge den Charakter eines Projektes verloren hat und zu einer festen Instanz in dem Bemühen der Wolfsburger um ihre Jugendlichen geworden ist. Zahlreiche Repräsentanten der Stadt Wolfsburg, u.a. auch der Polizeipräsident und weitere Behördenvertreter_innen , machten diese Veranstaltung zu einem vollen Erfolg für die Initiatioren. Dies ist insbesondere unseren beiden Gewaltberatungskollegen in Anbetracht ihres Engagements von Herzen zu gönnen. Zudem haben sie sich ´sehr ins Zeug gelegt`, um diese Veranstaltung zu planen und mit starkem persönlichen Einsatz durchzuführen. Der Vortrag von J. Lempert mit dem Thema „Denken, Fühlen, Handeln – Männer in der Krise“, in dem es schwerpunktmäßig um die Grundlagen für das Gelingen von Veränderung geht, sowie weitere Beiträge zur sexualisierten Gewalt (Th. Hölscher) und zu den Rahmenbedingungen, personellen Ressourcen, dem Arbeitsansatz und den Schwierigkeiten einer Gewaltberatungspraxis im Rahmen eines Heimes für sexualisiert gewalttätige Jugendliche (kjg ebener, Bordesholm) machten diesen Tag auch für unsere TN zu einem attraktiven Event.

Am darauffolgenden Freitag würdigten die TN dann das 10-jährige Bestehen der Täterhotline euline. Am Vormittag trafen wir uns mit örtlichen Vertretern_innen aus Justiz, Polizei und Bewährungshilfe zu einem Fachgespräch mit dem Thema „Entwicklung oder Stillstand – Gewalt verhindern“, in dem es darum ging auszuloten, welche Wege eine funktionierende Kooperation von staatlichen Institutionen und professionellen Beratungseinrichtungen für gewalttätige Männer und Frauen braucht. Mit großer Freude können wir auf einen lebendigen, engagierten und informativen Austausch aller Beteiligten zurückblicken, der nicht nur bestehende Informationsdefizite beseitigen konnte und für eine verstärkte Publizität unseres Verbandes und unseres Arbeitsansatzes sorgte, sondern auch lebhafte inhaltliche Diskussionen aufwies, die unsere Erwartungen an dieses Treffen weit übertrafen.

Umso unerfreulicher war die Erfahrung, dass zu dem von uns für den im Anschluss geplanten und per Pressemitteilung angekündigten Gespräch mit Vertretern_innen der Presse niemand erschien. Angesichts des tags darauf in der örtlichen Zeitung erschienenen Kurz-Artikels zu der `Streetlife`-Veranstaltung, der von Mitarbeitern dieser Einrichtung nur mit einem resignierten Schulterzucken quittiert wurde, können wir vielleicht auch froh sein, dass wir von derartigen Presseerzeugnissen verschont blieben; nicht immer sind sie unserer Sache dienlich.

Mit einem derartigen Desinteresse an unseren Aktivitäten von Seiten der Medien vertraut, wandten wir uns am Nachmittag den aktuellen Themen für unser eupax_euline-Verbandstreffen zu. Diese wurden im Vorfeld von Gewaltberatern_innen sowie Tätertherapeuten_innen aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Deutschland, die maßgeblich an der Arbeit und der Fortentwicklung des Arbeitsansatzes der eupax interessiert sind, vorgeschlagen und gesammelt.

Da das Protokoll zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrages noch nicht vorlag, kann auf die wesentlichen Ergebnisse dieses Treffens noch nicht eingegangen werden. Dies wird in der nächsten Zeit nachgeholt.

Wolfgang Brandt

eupax Beratungsstelle Hildesheim

Bilanz eines Seminars zur gewaltfreien Kommunikation (f. Männer) in Steyerberg

Ja, ich war an diesem Wochenende bei einem außergewöhnlichen Treffen (GFK für Männer; http://www.gewaltfrei-steyerberg.de/index.php)  dabei. Noch immer bin ich von den unzähligen, tief greifenden Eindrücken erfüllt und schwelge genussvoll in den Nachwirkungen.

Obwohl ich aus jahrelangen Aus- und Fortbildungen und durch meine Tätigkeit im Bereich der Männerarbeit weiß, wie gefühlvoll und offen Männer sein können, wurde ich hier wieder einmal von einer, im Alltäglichen nicht gewohnten Kontaktfreude, Ehrlichkeit, Sensibilität für sich selbst und für den anderen sowie Offenheit für Neues, Fremdes und Mut in Hinblick auf Annahme und Umsetzung  überrascht.

Auf der Suche nach Gründen für mein Erstaunen stoße ich zum einen auf die überraschend große Vielfalt der beruflichen Herkunft der Teilnehmer; auffallend war, dass die Mehrzahl eben nicht aus pädagogischen oder psychologischen Zusammenhängen kam; es bot sich eine breite Palette an Berufsbildern: vom Fotografen über Elektrotechniker, Selbstständige, Architekten bis hin zu Abteilungsleitern bzw. leitenden Angestellten aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern war alles vertreten. Zum anderen hat mich die Schnelligkeit des ‚Auftauens‘, der Kontaktsuche und –annahme  überwältigt – ein außergewöhnliches Phänomen angesichts dieses unterschiedlichen Spektrums an Lebenswegen und des uns gewöhnlich zugeschriebenen Konkurrenz-Denkens.

Weiter zeigte sich im Laufe des WE, wie ausdauernd wir Männer sein können, wenn wir motiviert sind und durch eine kompetente, aufmerksame  und empfindsame Leitung (Christoph und Bernd) begleitet werden. Wir haben ein beeindruckendes Stoffpensum , das in kompakter, verständlicher und anschaulicher Weise vermittelt wurde, bewältigt und erhielten genügend Zeit zum Üben des Gelernten – zum Teil bis an den Rand der geistigen und physischen Erschöpfung einzelner.  An dieser Stelle könnte man/frau einwenden, wir (Männer!) haben nicht genügend auf unsere Gesundheit geachtet, sind mal wieder über unsere Grenzen ‚gewalzt‘. Ich denke jedoch, dass die intensive Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen sowie der Austausch und die Überprüfung darüber mit den Gruppenmitgliedern immense Kräfte in uns stimuliert haben, die es uns ermöglichten, nicht nur dieses ungewöhnliche Arbeitspensum zu schaffen, sondern anschließend noch bei Bionade, Wein oder Bier in persönliche Gespräche abzutauchen. Und selbst jetzt noch wurden in dem einen oder anderen Gespräch persönliche Probleme verbalisiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht – und gefunden!!! Es versteht sich angesichts des oben Beschriebenen, dass hier der Kontakt untereinander und die im Laufe der Arbeit entstandene Nähe, intensiviert und vertieft werden konnte. Grandios! Das Bild, das von uns Männern in der (medialen) Öffentlichkeit gezeichnet wird, ist – das wurde mir hier wieder bestätigt – verzerrt und undifferenziert.

Ich werde dieses Seminar in Steyerberg mit Christoph und Bernd und meine Erfahrungen mit diesen Männern in meiner persönlichen ‚Schatzkiste‘ aufbewahren und gern darauf zurückgreifen, wenn ich in der ‚Wolfswelt‘ auf Männer stoße, die diesen Weg der inneren Befriedung noch nicht beschritten haben. Und ich hoffe, dass mir dieser Schatz dann so viel Kraft gibt, nicht erst den Umweg über Ärger und Wut nehmen zu müssen, sondern mit Gelassenheit, meiner inneren Friedensbereitschaft und der daraus fließenden Energie und vielleicht sogar mit Liebe agieren zu können. Ein beschwerlicher Weg – sicherlich, aber ein Weg, der sich lohnt.

Für meine berufliche Arbeit – Gewaltberatung/ Tätertherapie/ Aggressions-Coaching – kann ich dieses WE mit den zahlreichen Informationen als einen weiteren Mosaikstein für meine Professionalisierung verbuchen. Vieles war Wiederholung und Festigung von Bekanntem, anderes war mit einem bedeutsamen ‚Aha-Effekt‘ verbunden und schließt eine Lücke, die sich mir in meiner Arbeit mit Klienten_innen aufgetan hatte. Ganz besonders lehrreich für mich war auch die entspannte, lockere und freundliche Art der Begleitung und Führung durch Christoph. Davon will ich mir gern ein ‚Scheibchen abschneiden‘, auch wenn ich weiß, dass mir mein Temperament da den einen oder anderen Streich spielen wird.

Wolfgang

PhaemoPraxis Hildesheim

eupax Regio

Wie pädokriminelle Filmemacher die Armut und Arglosigkeit von Kindern ausnutzen

Internationale Pädophilen-Netzwerke – Auf dem Spielplatz des Abnormen
In der Ausgabe der SZvom 18.2.14 ist ein ausführlicher Artikel nicht nur über die Käufer sog. ’naturistischer‘ Filme (Die Videos trugen Titel wie „Boys Fights“ oder „FKK Water Guns“, Azov-Films bewarb sie mit schmierigen Zeilen: „Lass dich nicht täuschen von seinen unschuldigen Locken, denn hinter diesen Augen steckt ein schelmischer Knabe.“), sondern auch über die Produzenten.
Nach den Recherchen einer kanadischen Zeitung lockte der deutsche Markus R., der nach Rumänien gezogen war, die Jungen mit Geld, Pizza und Eis. Den Eltern war er „als hilfsbereiter Mann bekannt, mit dem die Jungs gerne ihre Freizeit verbrachten. ‚Das Coole daran war, sich zu unterhalten, Markus war ein Freund für uns. Er war sehr großzügig, hat Pizza ausgegeben, war mit uns bowlen‘, erzählte einer der Jungen (…)“
Die gefilmten Kinder leben nun mit dem Wissen, dass sich in der Welt jetzt Männer mit Hilfe ihrer Fotos befriedigen. „Mein Sohn ist geschädigt für den Rest seines Lebens“, sagte ein Vater.
Es lohnt, den Artikel zu lesen.
Wolfgang
Phaemopraxis Hildesheim

Männergesundheitstag

Liebe Kollegen,

Gestern fand der erste Männergesundheitstag in Luxemburg statt und wurde von infoMann, einer luxemburgischen Beratungsstelle für Jungen und Männer organisiert und durch die Stadt Luxemburg gefördert.

Unser Kollege, Alex Kries, seines Zeichens Gewaltberater, ist einer der Köpfe, besagter Beratungsstelle.

An diesem ehrwürdigen Tag, war die Euline/Eupax durch den blauen Josef, himself, mit einem Informationsstand vertreten, um Werbung für die Euline in Deutschland und Luxemburg zu machen.

Leider war, erwartungsgemäss, der Besucheransturm noch riesig ausbaufähig, da das Thema Gesundheit und Gewalt nicht unbedingt Publikumsmagnete sind. Ich bin dennoch enttäuscht, dass solch eine Veranstaltung so wenig besucht wird.

Und doch war es eine wichtige Erfahrung für mich, in die Öffentlichkeit zu gehen und ich bin froh, sie gemacht zu haben.  Hier auf dieser Veranstaltung habe ich gehört, dass Erfahrung aus gemachten Entscheidungen ensteht. Bei nächster Gelegenheit habe ich mir vorgenommen, selbst einen Vortrag über Euline/Eupax zu halten. Dieses Mal habe ich mich noch nicht getraut.

Ich konnte der Chancengleichheitsministerin eine Infomappe über die Eupax/Euline überreichen und einige wenige Worte mit ihr wechseln. Ich konnte dabei einen Umstand aus der Welt schaffen, der mich doch überraschte: „Sie kannte die Euline nicht und hatte noch nie etwas darüber gehört!“ Nun ist dem nicht mehr so und vielleicht trägt dieser kurze Kontakt irgendwann Mal Früchte!?

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Ein männlicher Praktikant im Frauenhaus vermittelt anderes Männerbild

 

Mann kann auch anders  (Artikel in der WAZ vom 21.12.12)

Ein mutiger Versuch, der sich als ein Erfolg herausstellte. Frauenhaus-Leiterin Anne Meiworm: „Wir sind nicht auf einer Insel. Die Frauen sollen Normalität leben und lernen, Aufgaben zu bewältigen.“
Neben dem körperlichen und auch seelischen Schutz der Frauen und Kinder ist dies sicherlich auch ein wichtiger Aspekt: Sie wieder auf den Alltag vorzubereiten und ihnen zu zeigen, dass es weitaus mehr Männer gibt, die  vertrauensvolle, liebevolle, auf gegenseitigem Respekt beruhende Beziehungen zu ihren Mitmenschen pflegen als Schläger. Für die Kinder in dieser Umgebung ist das hinsichtlich ihrer zukünftigen Beziehungsgestaltung von immenser Bedeutung.

Wir gratulieren der Leiterin und den anderen Verantwortlichen für diesen mutigen Schritt!

 
W. Brandt
Gewaltberatung Hildesheim

 

 

Selbstanzeiger / Selbstmelder

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Artikel über den Mordfall Lena mit Akzent auf die Ermittlungen der Polizei. Dabei möchte ich jedoch einen anderen Aspekt hervorheben:

Bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass sich der Täter seiner Verantwortung der bisherigen Tat, Besitz von Kinderpornographie, bewusst war und diese auch trug, indem er sich selbst anzeigte, möglicherweise, um seinem Tun ein Ende zu machen. Es gibt sie also, Menschen, die sexuelle Gewalt ausüben oder kurz davor sind und die sich an Dritte wenden und so ihre Isolation durchbrechen, aus dem Verborgenen ans Licht treten und sich helfen lassen wollen. Für diese Menschen sind wir da! Rufen sie an oder schreiben sie uns eine Mail, sie können sich völlig anonym beraten lassen: www.euline.eu