Tag: Aggressionstraining

‚Damit der Gewaltausbruch ausbleibt‘ – Zeitungsartikel über Gewaltberatung in Hildesheim

Es hat lange gedauert und es bedurfte ein gerüttelt Maß an Geduld, Ausdauer und Langmut – nicht zu vergessen die zahlreichen Klinken, die es zu ‚putzen‘ galt, um Erfolg zu haben. Angesichts dieses nicht zu übersehenden Artikels in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung über unsere Hotline euline und meine Gewaltberatungsarbeit vor Ort am Beispiel eines Klienten, der zu einem Interview bereit war, hat sich der Aufwand gelohnt.

HAZ Artikel Gewaltberatung 15Mai2014

Meine Hoffnung ist, dass dies ein weiterer wichtiger Baustein in Richtung auf eine finanzielle Unterstützung der Hotline und der Gewaltberatungsarbeit in Hildesheim sein kann. In den letzten Wochen, also auch schon vor der Veröffentlichung in der Presse, stieg die Anzahl der Anrufer_innen, die über andere Institutionen oder Personen sowie über die Internetsuche auf mein Angebot gestoßen waren, in eklatanter Weise an. In den meisten Fällen scheiterte eine weitergehende Beratung an der Finanzierung; Teilfinanzierungen wären möglich gewesen.

Eine wichtige Erkenntnis aus diesen zahlreichen Nachfragen für mich war, dass es für Aggressions-Trainings bzw. Anti-Gewalt-Trainings (für Erwachsenen, Frauen wie Männer) sowie für Täter_innen von Straßengewalt keine weiteren Angebote gibt. Weiterhin kommen alle Täter häuslicher Gewalt, die im Schichtdienst arbeiten oder auf andere Weise unregelmäßige Arbeitszeiten haben, auf mich zurück, weil die Täterprogrammangebote zeitlich fixiert sind und Fehlzeiten zum Ausschluss führen. Dass die Täter-Programme finanziert werden, jedoch von ihrer Struktur her für viele Menschen in Arbeitsprozessen nicht in Frage kommen, für mein Angebot jedoch kein Geld zur Verfügung steht, ist ein für mich unverständliches Phänomen.

Ich arbeite daran.

Wolfgang Brandt

eupax Regionale Beratung Hildesheim

AggressionsCoaching Hildesheim

 

Bilanz eines Seminars zur gewaltfreien Kommunikation (f. Männer) in Steyerberg

Ja, ich war an diesem Wochenende bei einem außergewöhnlichen Treffen (GFK für Männer; http://www.gewaltfrei-steyerberg.de/index.php)  dabei. Noch immer bin ich von den unzähligen, tief greifenden Eindrücken erfüllt und schwelge genussvoll in den Nachwirkungen.

Obwohl ich aus jahrelangen Aus- und Fortbildungen und durch meine Tätigkeit im Bereich der Männerarbeit weiß, wie gefühlvoll und offen Männer sein können, wurde ich hier wieder einmal von einer, im Alltäglichen nicht gewohnten Kontaktfreude, Ehrlichkeit, Sensibilität für sich selbst und für den anderen sowie Offenheit für Neues, Fremdes und Mut in Hinblick auf Annahme und Umsetzung  überrascht.

Auf der Suche nach Gründen für mein Erstaunen stoße ich zum einen auf die überraschend große Vielfalt der beruflichen Herkunft der Teilnehmer; auffallend war, dass die Mehrzahl eben nicht aus pädagogischen oder psychologischen Zusammenhängen kam; es bot sich eine breite Palette an Berufsbildern: vom Fotografen über Elektrotechniker, Selbstständige, Architekten bis hin zu Abteilungsleitern bzw. leitenden Angestellten aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern war alles vertreten. Zum anderen hat mich die Schnelligkeit des ‚Auftauens‘, der Kontaktsuche und –annahme  überwältigt – ein außergewöhnliches Phänomen angesichts dieses unterschiedlichen Spektrums an Lebenswegen und des uns gewöhnlich zugeschriebenen Konkurrenz-Denkens.

Weiter zeigte sich im Laufe des WE, wie ausdauernd wir Männer sein können, wenn wir motiviert sind und durch eine kompetente, aufmerksame  und empfindsame Leitung (Christoph und Bernd) begleitet werden. Wir haben ein beeindruckendes Stoffpensum , das in kompakter, verständlicher und anschaulicher Weise vermittelt wurde, bewältigt und erhielten genügend Zeit zum Üben des Gelernten – zum Teil bis an den Rand der geistigen und physischen Erschöpfung einzelner.  An dieser Stelle könnte man/frau einwenden, wir (Männer!) haben nicht genügend auf unsere Gesundheit geachtet, sind mal wieder über unsere Grenzen ‚gewalzt‘. Ich denke jedoch, dass die intensive Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen sowie der Austausch und die Überprüfung darüber mit den Gruppenmitgliedern immense Kräfte in uns stimuliert haben, die es uns ermöglichten, nicht nur dieses ungewöhnliche Arbeitspensum zu schaffen, sondern anschließend noch bei Bionade, Wein oder Bier in persönliche Gespräche abzutauchen. Und selbst jetzt noch wurden in dem einen oder anderen Gespräch persönliche Probleme verbalisiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht – und gefunden!!! Es versteht sich angesichts des oben Beschriebenen, dass hier der Kontakt untereinander und die im Laufe der Arbeit entstandene Nähe, intensiviert und vertieft werden konnte. Grandios! Das Bild, das von uns Männern in der (medialen) Öffentlichkeit gezeichnet wird, ist – das wurde mir hier wieder bestätigt – verzerrt und undifferenziert.

Ich werde dieses Seminar in Steyerberg mit Christoph und Bernd und meine Erfahrungen mit diesen Männern in meiner persönlichen ‚Schatzkiste‘ aufbewahren und gern darauf zurückgreifen, wenn ich in der ‚Wolfswelt‘ auf Männer stoße, die diesen Weg der inneren Befriedung noch nicht beschritten haben. Und ich hoffe, dass mir dieser Schatz dann so viel Kraft gibt, nicht erst den Umweg über Ärger und Wut nehmen zu müssen, sondern mit Gelassenheit, meiner inneren Friedensbereitschaft und der daraus fließenden Energie und vielleicht sogar mit Liebe agieren zu können. Ein beschwerlicher Weg – sicherlich, aber ein Weg, der sich lohnt.

Für meine berufliche Arbeit – Gewaltberatung/ Tätertherapie/ Aggressions-Coaching – kann ich dieses WE mit den zahlreichen Informationen als einen weiteren Mosaikstein für meine Professionalisierung verbuchen. Vieles war Wiederholung und Festigung von Bekanntem, anderes war mit einem bedeutsamen ‚Aha-Effekt‘ verbunden und schließt eine Lücke, die sich mir in meiner Arbeit mit Klienten_innen aufgetan hatte. Ganz besonders lehrreich für mich war auch die entspannte, lockere und freundliche Art der Begleitung und Führung durch Christoph. Davon will ich mir gern ein ‚Scheibchen abschneiden‘, auch wenn ich weiß, dass mir mein Temperament da den einen oder anderen Streich spielen wird.

Wolfgang

PhaemoPraxis Hildesheim

eupax Regio