Schlagwort: Luxemburg

Interview zum Thema häusliche Gewalt

MännerPraxis Lëtzebuerg (MPL) im Gespräch mit einer Klientin (K):

MPL : Stellen sie sich bitte kurz vor.

K : Ich bin eine Frau, Anfang 30, lebe in einer Beziehung und bin berufstätig.

MPL : Was hat sie zu uns, der EULINE – Täterhotline für gewalttätige Menschen -, geführt?

K : Ich übe meistens verbale Gewalt aus, d.h. ich werde verbal aggressiv, beschimpfe mein Gegenüber und versuche, ihn mit präzisen Aussagen seelische Schmerzen zuzufügen.

MPL : Wer sind diese Menschen?

K : Ich werde nur Erwachsenen gegenüber verbal gewalttätig und nur bei Menschen, die mir nahe stehen, z.B. meine Eltern, mein Partner, meine Geschwister.

MPL : Wie üben sie Gewalt aus?

K : Hauptsächlich handelt es sich um verbale Gewalt, obwohl es auch schon 3-4 Mal zu Ohrfeigen kam.

MPL : Wie wirkt sich dieses Verhalten auf ihr Umfeld aus?

K : Ich glaube nicht, dass die Menschen Angst vor mir haben, sondern es einfach nicht mehr verkraften können, immer wieder von mir verbal angegriffen zu werden. Es ist schon mehrmals passiert, dass diese Menschen sich von mir abgewandt haben, weil sie nicht mehr mit der Situation umgehen konnten.

MPL : Haben sie selbst Gewalt erlebt?

K : Ja, ich habe in mehreren Beziehungen Gewalt von Männern zu spüren bekommen. Es handelte sich in diesen Fällen oft auch um körperliche Gewalt.

MPL : Sehen sie zu sich einen Zusammenhang?

K : Man sollte sein eigenes Verhalten nicht auf andere zurückführen und keinen Schuldigen suchen dafür, warum man so handelt wie man handelt. Jeder ist für sein Handeln zuständig. Trotz allem glaube ich, dass die oben genannten negativen Erfahrungen mein heutiges Handeln mit beeinflusst haben.
Wenn ich verbal aggressiv werde, bin ich eine andere Person; ich handele und überlege erst später die eventuellen Folgen. In dem aktiven Moment möchte ich einfach mein Gegenüber mit Worten verletzten und ihm zeigen, wie es sich anfühlt, wenn man leidet. Des Weiteren streite ich oft, um herauszufinden, ob dieser Mensch auch in negativen Momenten zu mir steht oder nicht.

MPL : Wie kann ich mir eine typische Situation vorstellen, in der sie ausfallend werden?

Am Anfang der verbalen Attacke empfinde ich meistens Trauer oder Enttäuschung und um diese Gefühle loszuwerden oder nicht alleine damit umgehen zu müssen, werde ich verbal aggressiv und verletzte somit mein Gegenüber. Nachdem sich die Lage beruhigt hat, werde ich mir bewusst, was ich gesagt habe und bereue es. Dann bin ich selbst erschrocken über meine Worte, aber meistens werden dann meine Entschuldigungen nicht mehr angenommen.

MPL : Wollten sie bereits früher dieses Verhalten beenden, haben es aber allein nicht geschafft?

K : Oh ja, das habe ich. Ich habe immer wieder gesagt, ich würde mich ändern und nicht mehr streiten und andere Personen mit meinen Worten verletzten. Ich habe es öfters versucht, aber leider nie richtig geschafft, deshalb hoffe ich, dass ich es dieses Mal mit diesem Therapieansatz schaffen werde, denn ich selbst leide auch unter meinem Handeln.

MPL : Wie sind sie auf uns aufmerksam geworden?

K : Ich habe die Hotline übers Internet kennen gelernt.

MPL : Sind sie mit unserem Angebot zufrieden?

K : Ich habe nur einmal dort angerufen und danach habe ich sofort mit meiner Therapie angefangen.

MPL : Wagen sie eine Prognose, wie es mit ihrem verletzenden Verhalten weitergeht?

K: Ich bin fest davon überzeugt, dass ich es schaffen werde. Natürlich muss ich mich noch weiterhin bemühen, um meine verbale Gewalt in den Griff zu bekommen, aber ich bin guter Dinge.

MPL : Vielen Dank für ihre Offenheit und ihr Einverständnis zur Veröffentlichung. Damit machen sie anderen Menschen Mut, sich ebenfalls Hilfe zu holen.

MännerPraxis Lëtzebuerg
Therapeutische Beratungspraxis für Menschen in Krisen
Schwerpunktthemen: Konflikte – Konfrontation – Gewalt
Grevenmacher(L)
www.facebook.com/MaennerPraxis.Letzebuerg

Presseerfahrungen

Ich habe diese Woche eine äusserst bedauerliche und ärgerliche Erfahrung mit einem Vertreter der luxemburgischen Presse gemacht. In einem, diese Woche, erschienenen Artikel über häusliche Gewalt hier in Luxemburg, sollte ebenfalls über die Euline, Täterarbeit und über mich persönlich berichtet werden. Leider wurde dieser gesamte Teil gestrichen und demnach nicht veröffentlicht, da es zwischen der Journalistin und mir zu unüberwindbaren Meinungsverschiedenheiten gekommen ist. Ich bin wohl äusserst naiv und mangelhaft vorbereitet an diese Sache heran gegangen. Aber ich bin lernfähig und werde in Zukunft vorher mit der/dem Journalistin(en) Abmachungen treffen und mir genau überlegen was ich wie sage und vor allem was ich will!

RiichtEraus im neuen Gewand

Der Joseph zeigt den Weg(Georges)

Die luxemburgische Gewaltberatungsstelle RiichtEraus ist in neue Beratungsräume umgezogen und hat auch gleich einen neuen Träger. Das Planning Familial hat diesen Dienst aufgegeben und das Rote Kreuz Luxemburg hat übernommen. Zu finden ist RiichtEraus nun an folgender Adresse: 73, rue Adolphe Fischer L-1520 Luxembourg.

Verweisungsgesetz in Luxemburg wird abgeändert

Das Gesetz aus dem Jahre 2003 erhält Neuerungen, die am Freitag vom Ministerrat gebilligt wurden.

Der verwiesene Täter hat nun die Möglichkeit Widerspruch einzulegen, die Mediation erhält einen Platz im Strafrecht und die Strafhöhe wird der Tat angepasst.

Die Polizeibeamten dürfen keine Leibesvisitation durchführen, um dem Täter die Wohnungsschlüssel abzunehmen. Dennoch sollen den Beamten Zwangsmaßnahmen zu Verfügung stehen, falls sich die verwiesene Person weigert, die Schlüssel auszuhändigen. Hinsichtlich der Bannmeile für Täter wird es ebenfalls Änderungen geben.
(Quelle: wort.lu (BB) Artikel vom 29.10.2011 07:41 Uhr)

Internationales euline / eupax Treffen in Mainz vom 02. – 04.12.2011

Vom 02. – 04.12.2011 findet wieder das Treffen der Mitglieder und Unterstützer der eupax und euline in Mainz statt. Wir werden dort über aktuelle Erfahrungen sprechen, den Stand unserer Projekte diskutieren und neue Pläne schmieden. Natürlich hat auch der persönliche Austausch unter uns Raum, denn viele arbeiten doch sehr vereinzelt in ihren Institutionen als Gewaltberater oder Tätertherapeut.

Wie die anderen auch freue ich mich auf spannende Gespräche und persönliche Begegnungen mit den Kollegen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg.

Neues aus Luxemburg

Hallo liebe Kollegen, diesen Beitrag schreibe ich auf meinem I-Pad, nachdem ich unter der fachkundigen und geduldigen Anleitung und Unterstützung von Joachim, den Zugang zum Blog auf diesem Weg gefunden habe.

Ich habe seit langem wieder einen Klienten und habe ihn gestern zum ersten Termin getroffen. Ich freue mich riesig wieder beraten zu können. Eine zusätzliche Herausforderung ist es, da es eine KLIENTIN ist! Eine Premiere! Da ich in meinem Hauptberuf ebenfalls hauptsachlich mit Männern arbeite, ist es sozusagen Neuland für mich. Die Zuweisung der Klientin erfolgte über die Euline.

Ich werde übernächste Woche ein Interview in einer wöchentlich erscheinenden luxemburgischen Zeitschrift, zusammen mit einem Klienten, geben. Thema wird häusliche Gewalt sein, die Täterhotline Euline, Täterarbeit und die Eupax.

Herzliche Grüße

Jerry