Ein Täter meldet sich

Neben der Kontaktaufnahme mit der Euline, der Täterhotline, über´s Telefon, können sie uns ebenfalls per Mail, kontakt@euline.eu , erreichen. Herr F.A. aus W. hat sich an uns, mit folgender Mail, gewendet. Mit seiner Erlaubnis, publiziere ich sie an dieser Stelle.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie um Ihre Hilfe bitten, denn ich habe ein Problem mit gewalttätigen Übergriffen auf meine Ehefrau. Ich werde diese kurz beschreiben: Wir streiten häufig, da wir uns über gewisse häusliche Dinge, so z.B. Ordnung des öfteren uneinig sind. Diese Streits sind in früheren Zeiten oft bis zu stark erhobenen Stimmen und Türenschlagen eskaliert. Zum ersten Mal übergriffig wurde ich im Oktober 2012. Ich war zu der Zeit beruflich stark gestresst, meine Frau mit ihrer Situation zuhause extrem unzufrieden – unsere Tochter war gerade erst knapp sieben Monate alt, meine Frau somit komplett ans Haus gebunden, was ihr nicht gefiel. Der Streit ging über ein Ordnungsthema, meine Frau stellte sich mit Baby unter dem Arm vor mir auf und schrie mir ins Gesicht. Im Reflex gab ich ihr eine Ohrfeige.
Danach folgte ein weiterer Übergriff im Dezember 2012, wiederum eine Ohrfeige. Ich war zu der Zeit beruflich stark gefordert, zugleich extrem unzufrieden in meinem Job und ohne Erfolg auf der Suche nach etwas anderem, was in einer Depression mündete. Im März 2013, nach wiederholten Suizidgedanken und wiederum häufigen heftigen Streitigkeiten – ohne körperliche Übergriffe, aber mit Gewalt gegen Gegenstände – rief meine Frau meine Eltern um Hilfe. (Ihre Mutter ist in den USA und steht deshalb ad hoc nicht zur Verfügung, der Vater ist verstorben). Diese berieten uns. Ich begab mich in eine Therapie und bekam eine schwache Dosis Psychopharmaka verschrieben, die ich inzwischen wieder abgesetzt habe. Darüber hinaus begaben wir uns gemeinsam in Eheberatung.
Der Frühling und der Sommer 2013 brachten infolgedessen vorübergehende Besserungen, was sicher auch daran lag, dass ich meine Arbeitsstelle verlor, eine Zeit lang bezahlten Freistellungsurlaub hatte und mich in der Folge selbständig machte. Es gab keine gewalttätigen Übergriffe bis zum September, als ich nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise – wiederum wegen einer Diskussion über Ordnung – mehrere Tassen und Gläser an die Wand warf und unseren Esstisch umwarf.
Seitdem habe ich mich sehr zusammengenommen, was mir auch meine Frau bestätigt hat und es geht uns insgesamt viel besser als noch vor einem Jahr. Extrem eskalierende Streitigkeiten gibt es fast nicht mehr.
Dennoch kam es vergangene Woche wieder zu körperlichen Übergriffen meinerseits, die heftiger waren als je zuvor. Ich schlug meine Frau mit der Faust, rang sie zu Boden, würgte sie kurz und trat mehrmals auf ihr Gesäß ein. Nach einer Zeit ließ ich von ihr ab und schrie noch eine Weile herum. Unsere Tochter war glücklicherweise im Bett, so dass dies ihr immerhin erspart blieb. Meine Frau hatte große Angst, zog die Konsequenzen und ging mit unsere Tochter in ein Frauenhaus.
Ich war am nächsten Tag schockiert und verstört, sah jedoch zumindest eine Teilschuld bei den Provokationen und Beschimpfungen durch meine Frau. Diese sagte, ich sollte eine Therapie machen. Ich lehnte dies zunächst kategorisch ab, doch dann begann ich nachzudenken, recherchierte im Internet und stieß auf Ihre Seite. Der von Ihnen beschriebene Gewaltkreislauf entspricht exakt der Dynamik meiner Übergriffe. Ich habe deshalb begriffen, dass ich hier allein nicht herauskomme und bitte Sie um Ihre Hilfe. Bitte sagen Sie mir, was ich tun kann!
Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen,

F.A.