Simon Kofmel

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  1. Wie Missbraucher funktionieren — 2 Kommentare

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Wie Missbraucher funktionieren

Wie Missbraucher funktionieren, beschreibt Jürgen Dehmers in seinem Buch «WIE LAUT SOLL ICH DENN NOCH SCHREIEN?» (Rowohlt Verlag, 1. Auflage Sept. 2011) eindrücklich aus der Opferperspektive: «(…) aus heutiger Sicht betrachtet, kommt es mir vor wie ein Urlaub zweier Erwachsener, zweier Gleichberechtiger. Ein dreizehnjähriger Junge mit einem Mann Mitte vierzig, einem Jungen, dem alle Grenzen durch die Begleitung dieses Erwachsenen genommen wurden» (S. 57f). Das ist nur eine von unzähligen weiteren Grenzauflösungen in diesem atemlosen Bericht.

Jürgen Dehmers geht auch auf das Thema Verantwortungsabgabe ein. Anlässlich eines Briefwechsels zwischen ihm und seinem Peiniger redet Jürgen Dehmers Klartext: «Du hast mich während meiner Schulzeit in deiner Heimfamilie permanent sexuell belästigt und attakiert.» (S. 117). Der Täter geht in seinen Antwortschreiben mit keinem Wort darauf ein, weicht auf Nebengeleise aus und versucht die Verantwortung an sein Opfer zu delegieren, indem er ihm unterstellt, es sei nicht in der Lage, das was passiert ist, richtig einzuschätzen.

Ein trauriges Buch, für das es einzig diese Empfehlung gibt: LESEN! SOFORT!

Lieber tot als schwach

Walter Hollstein, Soziologe und Männerforscher im Tagesanzeiger über die erschreckend hohe Selbstmordrate bei Männern und Buben. Zuversichtlich stimmen ihn Männer wie der Trainer von Schalke 04, Ralf Rangnick, der öffentlich machte, dass er an einem Burn-out leidet und eine Therapie braucht. «Er wurde nicht beschimpft oder verlacht deswegen, seine Ehrlichkeit stiess vielmehr auf Anerkennung. Solche Signale braucht es.»

Im Echo der Zeit

Das Nachrichtenmagazin Echo der Zeit berichtet über die Beratungsstelle Stopp Männergewalt in Bern.

Jammert nicht!

Maximilian Buddenbohm von herzamengeschichten.de findet das Gejammer um die Jungs übertrieben. «Das langsame gesellschaftliche Verlieren der Jungs» sei nicht mehr als ein Trendthema. Schnack, Neutzling und vergleichbare Autoren zeichneten ein «krasses Zerrbild der Wirklichkeit». Buddenbohm geht mit den Autoren einzig darin einig, dass es sich um ein «sehr schwieriges Thema» handelt.

Angesichts eines sehr schwierigen Themas einfach mal tief Luft zu holen und sich zurücklehnen schadet keinesfalls. Bloss reicht mir das nicht, zumal ich «Kleine Helden in Not» von Schnack und Neutzling gänzlich anders gelesen habe. Im Zentrum stand für mich das Hinterfragen der männlichen Rollenkonformität. In Zeiten, in denen Männern neue Rollen zugeschrieben werden, finde ich diesen Blickwinkel erheblich.

Tom Sawyer verstand ich vor allen Dingen so, dass ihm die Schule seine Zeit stiehlt. Das ist ein Umstand, den Kinder auch 135 Jahre später immer noch beklagen. Unter einem «pädagogischen Paradies» stelle ich mir etwas anderes vor.

Und weil sich schlecht bezahlter Vorortkindergärtner aus Kindersicht definitiv nach Vorhölle anhört, neige ich dazu nicht nur zu jammern, sondern laut zu rufen.