Category: Sex. Gewalt / Missbrauch

Technische Lösung eines menschlichen Problems?

 

„Medizinern an der Kieler Uniklinik gelingt ein Durchbruch

Von Jens Wellhöner

In Deutschland sind vermutlich weit mehr Menschen pädophil als die offiziellen Statistiken aussagen. Etliche Betroffene wenden sich an Ärzte, doch die Tests sind unzuverlässig. Medizinern an der Kieler Uniklinik ist jetzt ein Durchbruch gelungen: Sie können Pädophilie unterm MRT erkennen. Auf den MRT-Bildern sehen sie, welche Gehirnregionen bei Pädophilen besonders aktiv sind, wenn die Fotos von Kindern sehen. “  gesehen bei Deutschlandradio Kultur    MRT kann Pädophilie erkennen

Sexuelle Gewalt gegen Männer

Der heutige ausführliche Artikel in der SZ hat mich sehr erschüttert und ich möchte ihn den LeserInnen dieses blogs zur Lektüre empfehlen.

 

Von Arne Perras, Kampala

„Sexuelle Gewalt als Waffe kommt fast überall dort zum Einsatz, wo sich Menschen bekriegen. Opfer sind in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Frauen – doch auch Männer werden systematisch vergewaltigt. Einer von ihnen ist der Kongolese Charles Kasereka: die Geschichte eines Mannes, der an seinem Martyrium zerbrochen ist.“     SZ vom 12. Januar 2012

Die US-Wissenschaftlerin Lara Stemple stellt in ihrer Untersuchung fest:  „Männer tauchen als Opfer kaum auf (…), obgleich sexuelle Gewalt gegen Männer ebenfalls weit verbreitet ist, wie neuere Studien aus Kongo und Liberia zeigen.“ Sie stellt fest, dass sich die Hilfsorganisationen bisher in vielfacher Weise um die Opfer von sexueller Gewalt kümmern,   „doch dabei geht es fast immer um Frauen.“   Männer als Opfer tauchen kaum auf. Sie passen als solche nicht in das stereotype Bild, das sich die Menschen machen    „…werden Frauen stets als schwach betrachtet, sie sind immer und überall die Opfer. Männer hingegen sind stark und aggressiv und folglich die Täter.“    So ist es auch nicht verwunderlich, dass die „UN-Resolution 1325 aus dem Jahr 2000 zwar einen besseren Schutz von Frauen in Konfliktzonen einfordert, über sexuelle Gewalt gegen Männer jedoch nichts aussagt.

 

Wolfgang Brandt
www.konflikt-gewaltberatung-hildesheim.de

 

Kindesmissbrauch und Prävention – Wie Täter sich das Vertrauen der Opfer erschleichen

Zu diesem Thema ist auf der Internetseite vom ZDF in der Reihe 37° ein Video zu sehen und ein Interview mit Urula Enders zu Möglichkeiten der Prävention zu lesen. Beides nicht uninteressant und in der Kürze sehr informativ.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1000432/Kindesmissbrauch-und-Praevention

Wolfgang Brandt
Gewaltberater/ Tätertherapeut
www.konflikt-gewaltberatung-hildesheim.de

Frauengewalt gegen Kinder/ Mutter als Missbraucherin – Klientin für uns?

Aus dem Tagesspiegel vom 28.09.2010 von Kerstin Gehrke

„Sohn missbraucht und gefilmt: Mutter vor Gericht

25 Mal soll sich die Frau an ihrem Sohn vergangen haben. Als die Übergriffe begannen, war der Junge sieben Jahre alt. Auch der Lebensgefährte der 39-Jährigen ist angeklagt.“

Dies ist sicher nur eines von vielen Beispielen für die erschreckende Tatsache, dass auch Frauen zu Täterinnen, ja sogar zu Missbraucherinnen ihrer eigenen Kinder werden. Es geht mir nicht darum, hier einen ‚Disput‘ zu darüber zu entfachen, wer denn nun gewalttätiger sei: Männer oder Frauen; entscheidender ist, dass es für alle Betroffenen Unterstützungsangebote gibt – für die Opfer, um aus dem Kreislauf der Gewalt zu entkommen und für die TäterInnen, damit sie die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, Reue und Scham empfinden und die Chance auf eine Veränderung ihres grenzverletzenden Verhaltens bekommen.

Viele unserer GewaltberaterInnen und TätertherapeutInnen sind immer wieder mit Männern, Frauen und Jugendlichen befasst, die grenzverletzend und missbrauchend tätig sind und haben sich eine professionelle Kompetenz angeeignet, die ein erfolgreiches Arbeiten ermöglicht. Ich bewundere den Mut,  die Kraft und die Ausdauer, die sie hierzu aufbringen, staune über die kleinen und größeren Fortschritte, von denen sie berichten und bin immer wieder aufs Neue ganz neugierig, wie sie arbeiten. Ich selbst traue mich noch nicht an diese ‚Fälle‘ heran, bemerke jedoch, dass durch den Austausch mit den anderen meine Unsicherheiten, meine Zweifel weniger werden und bin unendlich dankbar, dass ich durch die Vernetzung im Rahmen von euline/eupax diese Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung habe. So komme ich auch des Öfteren an entsprechende Literaturtipps oder Hinweise auf hilfreiche Vorträge, Seminare etc. Meine Motivation und Neugier steigt auf jeden Fall nach jedem Gespräch. Mal sehen, wann ich mich an meine erste missbrauchende KlientIn wage!

 

Wolfgang Brandt
Gewaltberatung/Tätertherapie Hildesheim
Phaemotherapeut
www.konflikt-gewaltberatung-hildesheim.de
 
 

Wie Missbraucher funktionieren

Wie Missbraucher funktionieren, beschreibt Jürgen Dehmers in seinem Buch «WIE LAUT SOLL ICH DENN NOCH SCHREIEN?» (Rowohlt Verlag, 1. Auflage Sept. 2011) eindrücklich aus der Opferperspektive: «(…) aus heutiger Sicht betrachtet, kommt es mir vor wie ein Urlaub zweier Erwachsener, zweier Gleichberechtiger. Ein dreizehnjähriger Junge mit einem Mann Mitte vierzig, einem Jungen, dem alle Grenzen durch die Begleitung dieses Erwachsenen genommen wurden» (S. 57f). Das ist nur eine von unzähligen weiteren Grenzauflösungen in diesem atemlosen Bericht.

Jürgen Dehmers geht auch auf das Thema Verantwortungsabgabe ein. Anlässlich eines Briefwechsels zwischen ihm und seinem Peiniger redet Jürgen Dehmers Klartext: «Du hast mich während meiner Schulzeit in deiner Heimfamilie permanent sexuell belästigt und attakiert.» (S. 117). Der Täter geht in seinen Antwortschreiben mit keinem Wort darauf ein, weicht auf Nebengeleise aus und versucht die Verantwortung an sein Opfer zu delegieren, indem er ihm unterstellt, es sei nicht in der Lage, das was passiert ist, richtig einzuschätzen.

Ein trauriges Buch, für das es einzig diese Empfehlung gibt: LESEN! SOFORT!

Bayern: 2 Jahre und 8 Monate Haft für 29 Jahre Missbrauch und Vergewaltigung

„Nach milder Strafe im Inzest-Prozess — Staatsanwalt geht in Revision
Das Urteil war eine Überraschung: Im Inzest-Prozess von Willmersbach kommt ein Vater mit knapp drei Jahren Haft davon – das Landgericht Nürnberg spricht ihn vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Tochter frei. Jetzt muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen.“SZ Bayern-Nachrichten vom 20.12.2011
Keine Verurteilung wegen Vergewaltigung nach mehr als 29 Jahren Missbrauch und der Zeugung von 3 Kindern! Es sei nur beim ersten Geschlechtsverkehr Zwang im Spiel gewesen, dann habe sich das sexuelle Verhältnis offenbar ‚eingeschliffen‘ – so der Richter.

Diese Nachricht hat mich schockiert, ganz tief getroffen. Vor allem auch, wenn ich mir vorstelle, welche Wirkung das auf andere Täter/Missbraucher und ganz besonders auch auf die vielen Opfer hat.

Wir als Gewaltberater und Tätertherapeuten arbeiten an der Verantwortungsbereitschaft und -übernahme mit gewalttätigen und missbrauchenden Menschen und wissen, wie schwierig dies manchmal ist. Erschwert wird diese Arbeit jedoch, wenn auch die Justiz diese Menschen nicht angemessen zur Verantwortung zieht, die Verantwortlichkeit nicht dort belässt, wo sie de facto ist: beim Täter.